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Immer wieder samstags fallen mir Dinge ein, die mir irgendwann mal widerfahren sind oder, die ich irgendwann mal gehört habe. In ruhigen Momenten, wenn es die heutzutage noch gibt, schießen mir diese Gedanken in den Kopf, die ich niederschreiben und sie nicht, wie der Rest der Welt per Video oder Foto über irgendwelche Plattformen mit euch teilen möchte. Einfach schreiben.


Wie damals, als ich dachte, ich könnte es als Skateboard Profi schaffen.


Es war ein ungeschriebenes Gesetz, dass man sich um 14 Uhr im Skatepark getroffen hat. Alle waren da und keiner musste in der 23523 Whats-App Gruppe darauf hingewiesen werden. Man hatte eine Verabredung, damit eine Verbindlichkeit und der kam man nach.

So schnell wie der Rucksack in die Ecke gefeuert wurde, so schnell stand man auch auf seinem Brett und freute sich kaputt, am nächsten Tag erst den zweiten Strich in Deutsch zu kassieren, weil man keine Hausaufgaben gemacht hatte.


Ich war 14. Einfach verdammte 14 Jahre alt. 27 Jahre später muss ich gestehen, dass es genau diese Momente waren, die mich heutzutage mit vielem besser klarkommen lassen.

Zwischen Haus, Kindern, Ehefrau, Familie, Freunden und Arbeit die kleine Lücke zu erwischen, die es manchmal zulässt, sich gekonnt aus der Affäre zu ziehen und für einen kleinen Moment wieder die Leichtigkeit von damals zu spüren.


Nichts hatte zu diesem Zeitpunkt in meinem Leben solch eine starke Kontrolle über mich.

Die Musik, die Kleidung, die Sprache, die Geimeinschaft. Alles zusammen ließ mein Herz höher schlagen, wenn ich nur daran dachte und es entstand tatsächlich eine Sucht, der du nachkommen musstest. Eine Sucht, die nur der beschreiben kann, der solch eine Leidenschaft in seinem Leben sein eigen nennen durfte.


Bei Tag und bei Nacht waren wir überall dort, wo es die Architektur der Stadt zuließ, unsere Tricks zu zeigen, zu üben und über uns hinauszuwachsen. Natürlich entstand der Wunsch, damit irgendwann mal Geld zu verdienen und mit seinem Hobby ein unabhängiger Erwachsener zu werden, aber eigentlich ging es nie um Kohle.


Es ging um die Freiheit die dir dieses kleine Brett schenkte. Darum, dass es immer nach vorne ging und man niemals zurückblicken durfte. Immer weiter, egal wie schwierig es war und wie hart die Dinge auch werden sollten.

Wie oft viel ich hin, schlug mir meine Hände und Beine auf. Hatte Angst vor dem nächsten Sprung von einer Laderampe und der Schmerz den man erfuhr, wenn dir dein Brett mit vollem Schwung gegen das Schienbein knallte, kann ich heute noch spüren.


Ich denke oft an diese Erlebnisse, Erfolge und Niederlagen. All das, was mir damals zugestossen ist und übertrage es auf mein jetziges Leben und mir wird klar, dass so einiges übertragbar ist.


Das du standhaft bleiben musst und dir selbst immer treu. Bleib autentisch und verbiege dich niemals für jemand anderen. Sei du selbst in allen Momenten, die dir noch bleiben. So wie du auf deine Freunde geachtet hast, solltest du heute auf dein eigenes Team achten. Teile das Glück, das du damals gespürt hast mit denen, die dir jetzt alles bedeuten und sing die Lieder, die du damals gesungen hast, so laut, dass alle es hören, denn im besten Fall haben sie die gleichen Lieder gehört und sie singen mit dir zusammen, wie damals, als alles irgendwie leichter war.


Vielleicht hat es damals nicht zum Profi gereicht, aber vielleicht ist man jetzt näher dran, als man glaubt.








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Immer wieder samstags fallen mir Dinge ein, die mir irgendwann mal widerfahren sind oder, die ich irgendwann mal gehört habe. In ruhigen Momenten, wenn es die heutzutage noch gibt, schießen mir diese Gedanken in den Kopf, die ich niederschreiben möchte und sie nicht, wie der Rest der Welt per Video oder Foto über irgendwelche Plattformen mit euch teilen möchte. Einfach schreiben.


Wie damals, als ich montags noch frei hatte und nicht wirklich verstand, warum.


Wieder Montag. Wieder bemerkt, dass ich in einem Salon arbeite, der montags geöffnet hat. Wieder bemerkt, dass es mein eigener Salon ist, der montags geöffnet ist.


Was hab ich mich früher geärgert, über das frühe Aufstehen an Samstagen und darüber, dass mein Wochenende komplett zerstört war. Alle sind freitags raus, hatten ihren Spaß und ich musste pennen, um am nächsten Tag arbeiten zu gehen. Und was bekam ich dafür? Den Montag.


Der unspektakulärste Tag in der ganzen Woche. Da kann man dann zum Arzt gehen, war die Ausrede. Man kann alles erledigen, was man ansonsten nicht schafft. Klar war, dass montags niemand Zeit hatte und ich alleine rumhing. Wie oft soll ich denn zum Arzt rennen und was soll ich denn jeden Montag alles erledigen?

Heute weiss ich, dass einkaufen eine gute Sache ist, die man an solchen Tagen erledigen sollte. Jedoch war mir das im zarten Alter von 17 noch nicht bewusst.


Aus diesem Grund einigten Sonia und ich uns darauf, nie wieder Samstags zu öffnen und dieser Tradition komplett aus dem Weg zu gehen und vielleicht einfach mal ein normales Wochenende zu haben, wie alle anderen auch.


Also steh ich hier. Zur gleichen Zeit, am gleichen Ort, mit den gleichen Themen und den gleichen Gesichtern, in unserem Laden und frage mich die selben Dinge, die ich mich in letzter Zeit so oft an Montagen gefragt habe.


Wo sind die, die die Leidenschaft meines Berufes in die Welt tragen, wenn ich und meine Generation Friseur mal nicht mehr sind. Wo sind die ambitionierten Künstler, die die anders sein wollten als alle anderen, denen der Lohn egal war, weil sie sich verwirklichen wollten. Die, die das Beste aus allen Menschen holen wollen, die, die den Menschen da draußen den Mut zur Veränderung beibringen sollen.


Ich glaub sie sind irgendwie in einem verdammt langen Winterschlaf. Oder denken, dass ein Studium in BWL die bessere Alternative sei. Arbeiten vielleicht alle in einem anderen Salon, oder haben die Fähigkeit sich unsichtbar zu machen, sobald ich mich nach ihnen umdrehe.


Und dann schau ich mir meine Zukunft an. 'The next Generation'. Denen ich all mein Wissen mit so viel Leidenschaft eingetrichtert habe. Mit Herzblut jeden Griff und jeden Kniff beigebracht habe.  Gelangweilt und müde stehen sie hinter den Kunden und verrichten ihr Tagwerk. Nicken nur trostlos mit dem Kopf, anstatt auf das einzugehen, was ihnen erzählt wird und signalisieren mir mit einem "ich bin dann jetzt fertig", dass sie ihren Teil der Arbeit jetzt getan haben. "Kann ich jetzt Pause machen" kommt im gleichen Atemzug und ich entlaste mich selbst und willige ein. Lasse sie ziehen. In die Welt der Facebooker und instagramer, der Pinterester und Twitterer. Fernab von jeglicher Realität. Fernab von dem was an einem Montag in einem Friseursalon von Ihnen erwartet wird und tröste mich mit der gleichen Antwort, die ich mir an diesem Tag immer gebe.


Morgen ist wie jede Woche Dienstag und der Sand in den Augen meiner Zöglinge wird wie immer verflogen sein. Die Müdigkeit wird nachgelassen haben und der Eifer wird zurückkehren. Wie jede Woche werden sie erwachen und all das was ich ihnen beigebracht habe umsetzen und mir zeigen, dass es Hoffnung gibt, für jenen Job, der immer als schönster Job der Welt betitelt wird und montags morgens eben auch nur ein Job ist.


Und am Ende wird mir immer ein Stückchen mehr bewusst, wieso ein freier Montag vielleicht doch keine schlechte Idee war.

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Immer wieder samstags fallen mir Dinge ein, die mir irgendwann mal widerfahren sind oder, die ich irgendwann mal gehört habe. In ruhigen Momenten, wenn es die heutzutage noch gibt, schießen mir diese Gedanken in den Kopf, die ich niederschreiben möchte und sie nicht, wie der Rest der Welt per Video oder Foto über irgendwelche Plattformen mit euch teilen möchte. Einfach schreiben.


Wie damals, als ich noch in einer Band spielte und es alles für mich war.


Der Moment, wenn du den Proberaum betreten hast, deine Leute getroffen hast, das erste Bier getrunken hast und obwohl du eigentlich nicht wirklich geraucht hast, die zehnte Zigarette durch war. Wenn du dich deinem Instrument zugewandt hast und wusstest, gleich passiert die Magie. Wir waren eine Einheit, eine Wand. Keiner konnte uns zerstören. Man fühlte sich unantastbar. Man stand über den Dingen und wollte ein Lied schreiben, das die Zeit überdauert.


Texte schreiben war wie Tagebuch schreiben und man hielt das fest, was einen in diesem Moment bewegte und antrieb. Damals waren es meistens Frauengeschichten, Bier und Autos. Heute würde ich wohl mehr über Vergänglichkeit, das Alter, die Familie und die Freunde, die mir blieben, philosophieren. Doch das sind Themen, die wir immer wieder samstags abarbeiten werden.

All das hatte damals kein Gewicht. Nichts davon stand im Mittelpunkt. Der Moment war wichtig. Das jetzt und vielleicht noch das gleich, aber doch bitte nicht die Zukunft. Niemals über Verantwortung reden oder über Sicherheit. Wir waren doch jung und alles lag vor uns. Wir waren doch eine Band, eine Wand und nichts konnte uns zerstören.



Ich weiß nicht, ob jemand von euch nachvollziehen kann, was ein Hobby oder eine Leidenschaft mit einem machen kann, aber ich sag euch, ich habe immer noch den Geruch in der Nase, die Geräusche, die die Tür vom Proberaum machte, wenn man sie geöffnet hat. Wie es aussah, wenn man die perfekte Atmosphäre erschaffen wollte und das Licht gedämpft hat. Ich höre immer noch die Diskussionen, die entstanden, als man sich darüber austauschte, ob man das so im englischen sagen kann und ob das grammatikalisch richtig wäre und es doch eigentlich nur wichtig war, dass es sich reimt.

Und ich weiß noch, wie aufgeregt ich war und beschäftigt damit, mir bloß nix davon anmerken zu lassen, wenn ich auf die Bühne gegangen bin, um allen zu erzählen, was ich immer wieder samstags erlebt hatte.




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