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Geschichten, die das Leben schreibt...


Immer wieder samstags fallen mir Dinge ein, die mir irgendwann mal widerfahren sind oder, die ich irgendwann mal gehört habe. In ruhigen Momenten, wenn es die heutzutage noch gibt, schießen mir diese Gedanken in den Kopf, die ich niederschreiben möchte und sie nicht, wie der Rest der Welt per Video oder Foto über irgendwelche Plattformen mit euch teilen möchte. Einfach schreiben.


Wie damals, als ich montags noch frei hatte und nicht wirklich verstand, warum.


Wieder Montag. Wieder bemerkt, dass ich in einem Salon arbeite, der montags geöffnet hat. Wieder bemerkt, dass es mein eigener Salon ist, der montags geöffnet ist.


Was hab ich mich früher geärgert, über das frühe Aufstehen an Samstagen und darüber, dass mein Wochenende komplett zerstört war. Alle sind freitags raus, hatten ihren Spaß und ich musste pennen, um am nächsten Tag arbeiten zu gehen. Und was bekam ich dafür? Den Montag.


Der unspektakulärste Tag in der ganzen Woche. Da kann man dann zum Arzt gehen, war die Ausrede. Man kann alles erledigen, was man ansonsten nicht schafft. Klar war, dass montags niemand Zeit hatte und ich alleine rumhing. Wie oft soll ich denn zum Arzt rennen und was soll ich denn jeden Montag alles erledigen?

Heute weiss ich, dass einkaufen eine gute Sache ist, die man an solchen Tagen erledigen sollte. Jedoch war mir das im zarten Alter von 17 noch nicht bewusst.


Aus diesem Grund einigten Sonia und ich uns darauf, nie wieder Samstags zu öffnen und dieser Tradition komplett aus dem Weg zu gehen und vielleicht einfach mal ein normales Wochenende zu haben, wie alle anderen auch.


Also steh ich hier. Zur gleichen Zeit, am gleichen Ort, mit den gleichen Themen und den gleichen Gesichtern, in unserem Laden und frage mich die selben Dinge, die ich mich in letzter Zeit so oft an Montagen gefragt habe.


Wo sind die, die die Leidenschaft meines Berufes in die Welt tragen, wenn ich und meine Generation Friseur mal nicht mehr sind. Wo sind die ambitionierten Künstler, die die anders sein wollten als alle anderen, denen der Lohn egal war, weil sie sich verwirklichen wollten. Die, die das Beste aus allen Menschen holen wollen, die, die den Menschen da draußen den Mut zur Veränderung beibringen sollen.


Ich glaub sie sind irgendwie in einem verdammt langen Winterschlaf. Oder denken, dass ein Studium in BWL die bessere Alternative sei. Arbeiten vielleicht alle in einem anderen Salon, oder haben die Fähigkeit sich unsichtbar zu machen, sobald ich mich nach ihnen umdrehe.


Und dann schau ich mir meine Zukunft an. 'The next Generation'. Denen ich all mein Wissen mit so viel Leidenschaft eingetrichtert habe. Mit Herzblut jeden Griff und jeden Kniff beigebracht habe.  Gelangweilt und müde stehen sie hinter den Kunden und verrichten ihr Tagwerk. Nicken nur trostlos mit dem Kopf, anstatt auf das einzugehen, was ihnen erzählt wird und signalisieren mir mit einem "ich bin dann jetzt fertig", dass sie ihren Teil der Arbeit jetzt getan haben. "Kann ich jetzt Pause machen" kommt im gleichen Atemzug und ich entlaste mich selbst und willige ein. Lasse sie ziehen. In die Welt der Facebooker und instagramer, der Pinterester und Twitterer. Fernab von jeglicher Realität. Fernab von dem was an einem Montag in einem Friseursalon von Ihnen erwartet wird und tröste mich mit der gleichen Antwort, die ich mir an diesem Tag immer gebe.


Morgen ist wie jede Woche Dienstag und der Sand in den Augen meiner Zöglinge wird wie immer verflogen sein. Die Müdigkeit wird nachgelassen haben und der Eifer wird zurückkehren. Wie jede Woche werden sie erwachen und all das was ich ihnen beigebracht habe umsetzen und mir zeigen, dass es Hoffnung gibt, für jenen Job, der immer als schönster Job der Welt betitelt wird und montags morgens eben auch nur ein Job ist.


Und am Ende wird mir immer ein Stückchen mehr bewusst, wieso ein freier Montag vielleicht doch keine schlechte Idee war.

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